| Klavier |
Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, daß das Klavier heute zu einem der beliebtesten Instrumente gehört. Für das Erlernen des Klavierspiels gibt es keine besonderen physiologischen Voraussetzungen wie etwa bei Blasinstrumenten. Wünschenswert ist ein Schüler, der auf das Instrument und seine mannigfachen klanglichen Möglichkeiten neugierig ist. Man kann mit dem Unterricht sehr früh wie auch später, sogar als Erwachsener, beginnen. Technik und Musikalität sollten stets gleichgewichtig gefördert werden. Langsam, und je nach Altersstufe abgestimmt, soll der Schüler/die Schülerin an das Instrument herangeführt werden, denn gerade eine perfekte Grundausbildung ist die notwendige Basis für den weiteren Unterrichtsverlauf. Entsprechend gründlich ist der Anfangsunterricht gestaltet, der bereits in der ersten Zeit auf eine Anschlags- und Klangveredelung ausgerichtet ist. Durch Gehörbildung und rhythmische Übungen bekommt der Schüler/die Schülerin eine Klangvorstellung von seinem/ihrem Instrument. Instrumentenkunde und spieltechnische Eigenschaften fließen selbstverständlich in den Unterricht mit ein. Über Barock, Klassik und Romantik sollen der Schüler/die Schülerin auch an moderne Unterrichtsinhalte herangeführt werden, denn was wäre ein Klavierunterricht, der bei Bach anfängt und bei Beethoven aufhört. Im Anfangsunterricht ist besonderer Wert darauf zu legen, daß die Hörerziehung am Instrument in gleich intensiver Weise wie die mechanisch-technische Einführung in das Klavierspiel, gepflegt wird. Von der methodischen Unterweisung mit Noten, Fingersatz und dergleichen sollten Anregungen gegeben werden, bereits bekannte Melodien auf das Klavier nach dem Gehör zu übertragen. Außerdem können in tonalen und nichttonalen Verbindungen Töne und Klänge in verschiedenen Lagen des Instruments erzeugt werden, die die Fantasie des Schülers/der Schülerin wecken. Diese klangliche Vielfalt kann in Verbindung gebracht werden mit der außer musikalischen Vorstellungswelt des Schülers/der Schülerin und den realen und irrealen Erlebnissen. Dadurch läßt sich die Fähigkeit entwickeln, Töne und Klänge bewußt wahrzunehmen und zunehmend zu differenzieren. Im Zusammenhang damit können außerhalb der traditionellen Notation Schriftformen entwickelt werden, die akustische Klangerlebnisse durch graphische Darstellungen sichtbar machen. Entscheidende Voraussetzungen für das Klavierspiel sind eine natürliche Haltung (Sitz) sowie natürliche Bewegungsfunktionen. Einfache Fallübungen (Halten-Fallenlassen = Anspannung-Entspannung) gehen von der Einheit Arm-Hand, d.h. von den bereits vorhandenen natürlichen Greiffähigkeiten des Schülers/der Schülerin aus. Diese Übungen können zunächst auch ohne Benutzung des Instruments durchgeführt werden mit dem Fall auf fünf, vier, drei, zwei Finger bis zum Einzelfinger (vor dem Fall hängendes Handgelenk, nach dem Fall federndes Handgelenk, kein Druck, leichte Stütze im Fingerdruckgelenk beim Abschlag) mit dem Übergang zum Fingerspiel in legato. In der natürlichen Einrichtung der ersten Spielvorgänge liegt der Kern zur allseitigen Entwicklungsmöglichkeit. Bewegung und Klangerwartung sind untrennbar! Die ersten Übungen, die sich mit der Haltung am Instrument, dem Anschlag und der Tonbildung beschäftigen, sollte der Schüler/die Schülerin zunächst ohne Noten erarbeiten (als erster Weg zum Auswendigspiel).
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